Hosinsul – Die Selbstverteidigung

Hosinsul ist die Selbstverteidigung gegen bewaffnete und unbewaffnete Angriffe aus verschiedenen Distanzen.

Hosinsul wird mit dem gesamten Körper ausgeführt. Ziel ist es, sich gegen unbewaffnete Angriffe (Festhalten, Umklammerungen, Angriffe durch mehrere Gegner) oder bewaffnete Angriffe (mit einem Messer, Schusswaffe, Stock, Baseballschläger, etc.) erfolgreich zur Wehr zu setzen. Dieses erfordert hochentwickelte psychische und physische Fähigkeiten. Die richtige und ad hoc ausgeführte Gegenwehr erfordert ein regelmäßiges Training. Nur so kann die Schockphase bei einem plötzlichen Angriff möglichst gering gehalten werden. Das Unterbewusstsein muss im Falle eines Falles einen trainierten Automatismus abrufen, welcher simultan zur Eigensicherung und zum Gegenangriff führt.

 

Anforderungen des Hosinsul an den Schüler:

  • Falltechniken: Rolle vor und rückwärts, Fallübung vor und rückwärts, Fallübung seitwärts
  • Lösen von Umklammerungen, Würge und Festhaltegriffen
  • Hebel, Festhalte und Transporttechniken
  • Abwehr aus der Bodenlage
  • Wurftechniken (Hüftwurf, Schulterwurf, Fußfeger)
  • Abwehr von bewaffneten Angriffen mit Messer und Stock
  • Abwehr gegen mehrere Angreifer
  • Notwehr- Paragraph § 32 StGB
  • Schocktechniken, Vitalpunkte, Druckpunkte

 

Die NOTWEHR

Bei dem Einsatz von Hosinsul ist die Erforderlichkeit („mildestes Mittel“) und die Verhältnismäßigkeit (Rechtsgüterabwägung) ein entscheidender Faktor!

In der Bundesrepublik Deutschland wird das Notwehrrecht über den § 32 StGB (Strafgesetzbuch) geregelt.

Der Notwehrparagraph gem. § 32 StGB

(1) Wer eine Tat begeht, die durch Notwehr geboten ist, handelt nicht rechtswidrig.

(2) Notwehr ist die Verteidigung, die erforderlich ist, um einen gegenwärtigen rechtswidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden.

 

Nach dem Rechtsbewährungsprinzip, also >Recht braucht dem Unrecht nicht zu weichen<, kann ein gewaltsamer Angriff auch mit Gewalt vereitelt werden. Damit soll einerseits das Notwehrrecht überhaupt begründet werden. Es ist aber auch bereits ein erster Grundsatz festgehalten: Es ist einem Angegriffenen grundsätzlich gestattet, sich mit Gewalt zu wehren, auch wenn ihm eine Flucht als „mildestes Mittel“ der „Notwehr“ möglich wäre; er kann sich also wehren und braucht nicht zu weichen.

Strafrechtliches Prüfungsschema:

Notwehr Schema

Fallbeispiele zum Thema Notwehr:

a.

Der 15-jährige A ist zu Fuß auf dem Weg zum Taekwondo – Training. Plötzlich wird er durch zwei Jugendliche, hier B und C, von hinten gepackt und am Arm festgehalten. B fordert  den A auf ihm sein Handy zu geben, sonst würde man ihn „vermachen“. A besinnt sich auf seine erlernten Fähigkeiten und löst sich durch den Einsatz von Hosinsul aus dem Haltegriff des B. Hierbei verstaucht er B die Hand so stark, dass dieser zwei Wochen lang einen Verband tragen muß. A flüchtet sodann vor den Angreifern und erstattet Strafanzeige bei der Polizei.

Lösung: A leistet hier Gegenwehr zu einer räuberischen Erpressung gemäß § 255 StGB. Der Angriff des B und C ist also rechtswidrig und wird gegenwärtig ausgeführt. A hat durch das Lösen aus dem Haltegriff ein geeignetes und erforderliches Mittel angewandt, um sich zu befreien. Die Notwehr wurde hier korrekt angewendet – ein Rechtfertigungsgrund für den A liegt somit eindeutig vor!

b.

Die 23-jährige „Schwarzgurträgerin“ A steht nach einer Feierlichkeit nachts alleine an einer Bushaltestelle um ihren Weg nach Hause anzutreten. Plötzlich beobachtet sie auf der Straße eine Schlägerei, bei der drei Personen auf einen am Boden liegenden wehrlosen Mann eintreten. Kurzentschlossen eilt sie dem Mann zur Hilfe und noch bevor einer der Angreifer einen gezielten Tritt zum Kopf des Opfers ausführen kann, streckt sie diesen mit einem  Seitwärtskick und zwei Fauststößen nieder. Die übrigen Angreifer ergreifen daraufhin die Flucht.

Lösung: A wendet hier einen rechtswidrigen Angriff gegen einen anderen, nämlich das am Boden liegende Opfer ab. Ihre ausgeführten Taekwondo – Techniken waren in diesem Fall geeignet und erforderlich, um das Rechtsgut auf körperliche Unversehrtheit des Opfers zu wahren. Die Verhältnismäßigkeit (Recht auf körperliche Unversehrtheit des Opfers gegen das Recht auf körperliche Unversehrtheit des Angreifers = Gleichgewicht der Rechtsgüter) wurde damit beachtet. Die Notwehr wurde auch hier korrekt angewendet – ein Rechtfertigungsgrund für die A liegt somit eindeutig vor!

 

 

 

 

 

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